Leptospirose

Leptospirose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit. Diese Krankheit kann lebensbedrohlich sein und das nicht nur für Hunde, sondern auch viele andere Tiere und vor allem auch für den Mensch.

Infektionsquellen

Mäuse und Ratten sind ein Reservoir für diesen Erreger. Sie können die Bakterien in sich tragen ohne daran zu erkranken. Es ist wichtig den Hund nicht aus Pfützen trinken oder auch in möglicherweise kontaminierten stehenden Gewässern baden zu lassen. Die Kontamination der Gewässer kann durch den Urin anderer infizierter Tiere mit den Bakterien entstehen. Die Bakterien können über die Haut und Schleimhäute aufgenommen werden. In der feucht-warmen Umgebung können die Erreger, vor allem im Herbst, eine lange Zeit auch ohne einen lebenden Wirt überleben.

Krankheitsverlauf

Nach der Aufnahme der Bakterien über die Haut oder Schleimhäute verbreiten sie sich über das Blut im Körper. Vor allem Leber und Nieren sind betroffen und es kommt zu einer Nierenentzündung und zum Absterben von Leber- und Nierenzellen. Als Folge kann es zu einem Versagen von Leber und Nieren kommen. Außerdem kann der Kreislauf versagen, weitere Organe sich entzünden etc. Die ersten Symptome treten 4 bis 14 Tage nach der Infektion auf. Wird die Krankheit nicht schnell genug behandelt kann das Tier versterben.

Symptome

Die Symptome sind abhängig von einigen Faktoren. Sie sind Abhängig vom Hund, dessen Alter, seiner Gesundheit und letzten Endes welchen Erreger er aufgenommen hat. Grundsätzlich können alle Hunde daran erkranken. Die Sterblichkeitsrate dieser Krankheit ist relativ hoch, vor allem bei Welpen oder zu später Diagnose und Behandlung.

Symptome sind:

  • Schlappheit
  • Futterverweigerung
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Dehydration
  • Gelbsucht
  • Husten
  • Atemnot
  • erhöhtes Pipi machen

Behandlung

Bei Erkrankung ist die unverzügliche Behandlung mit Antibiotika unerlässlich. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Überlebenschance relativ gut. Zu Beginn muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um den genauen Erreger herauszufinden und um herauszufinden inwiefern die Organe betroffen und geschädigt sind. Die Gabe von Antibiotika wird aber ohne das Abwarten der Ergebnisse unverzüglich durchgeführt, um schlimmere Schäden und weitere Ansteckung zu verhindern. Vor allem die Ausscheidung der Erreger soll verhindert werden, da die Zoonose auch auf den Menschen übertragbar ist. Der Kontakt mit dem Tier erfolgt über einen bestimmten Zeitraum ausschließlich mit strengen Hygienemaßnahmen und Schutzkleidung.

Übrigens gibt es gegen die Leptospirose eine Impfung. Bei der Impfung ist es wichtig möglichst viele Erregerstämme abzudecken.

Rückwärtsniesen

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Ich hatte auf Instagram gefragt, ob der ein oder andere Lust hätte einen Blogbeitrag für mich zu schreiben und die liebe Lena, die ihr dort unter @_shorty.elli_ findet, hat sich bei mir gemeldet. Sie wollte gerne einen Beitrag über das Rückwärtsniesen schreiben. Ein Verhalten, dass die meisten sicherlich bereits bei ihren Hunden beobachten konnten:

Bild von @_shorty.elli_

Mein Name ist Lena (28) und zu uns gehört die Liebe Elli. Elli ist seit Ende Dezember nun ein Jahr alt, ist aus Rumänien und unser erster Hund.

Vor einiger Zeit als der erste richtige Frost kam, hat Elli das erste Mal so röchelnde Geräusche gemacht. Ich schob es auf den Frost von der Wiese, wo sie mit der Nase klebte. Ich hatte Angst keine Frage und keiner aus der Community konnte mir etwas zu ihrem Verhalten sagen. Es kam nicht wieder vor…

Bis plötzlich nach dem Spielen auf dem Sofa das Geräusch wieder kam. Ich googelte gefühlt um mein Leben, bevor ich den Tierarzt anrufen wollte. Elli sah aus, als ob sie erstickte. Ich fand die Lösung und Elli beruhigte sich wieder. Nun möchten wir euch aufklären.

Deine Fellnase macht röchelnde oder schnarchähnliche Geräusche? Keine Panik! Das Rückwärtsniesen kommt beim Hund häufiger vor als wir denken.

Was ist Rückwärtsniesen?

Rückwärtsniesen (engl. Reverse Sneezing) ist ein Reflex, bei dem das Tier schnell und ruckartig Luft aufsaugt. Ähnlich wie ein normales Niesen nur anders herum. Meist verkrampfen die Hunde dabei und können auch panisch werden.

So besorgniserregend diese Anfälle auch aussehen, sind sie in der Regel völlig harmlos. Auch wenn die Anfälle oft mit einer kurzzeitigen Atemnot verbunden sind, dauert diese meist nur wenige Sekunden, selten Minuten, an. Besonders junge und kleine kurzköpfige Hunderassen sind anfällig für das Rückwärtsniesen, wie z.B. der Mops oder die Bulldogge.

Wie passiert so etwas?

Die Ursache ist noch relativ ungeklärt. Man geht aber davon aus, dass Reizungen im Rachen, in der Kehle oder im Kehlkopf für das Rückwärtsniesen verantwortlich sind.

Als mögliche Reizauslöser kommen in Frage:

  • Pollen
  • Toben und Spielen
  • intensive Gerüche wie Zigarettenrauch, Parfüm oder Putzmittel
  • Entzündungen der Mandeln (Tonsillitis) oder des Rachens (Pharyngitis)
  • Aufregung
  • zu enges Halsband
  • Allergien
  • zu langes Gaumensegel
  • evtl. auch Milbenbefall

Wie kann ich meinem Hund helfen?

Das Wichtigste ist erstmal Ruhe zu bewahren! Meine Angst um Elli damals half ihr sicher nicht. Schlimmer! Dadurch begann sie panisch zu werden.

Nach dem Ratschlag von Tante Google ging ich ruhig zu ihr, streichelte 2x über ihren Brustkorb und klopfte danach 2x ganz leicht darauf. Dies widerholte ich und redete weiterhin ruhig auf sie ein.

Uns hat es schon viel gebracht. Sollte es mal nicht helfen, hier noch ein paar Tipps:

  • über den Hals streicheln
  • Trinken anbieten
  • Leckerli anbieten
  • Nase für 2 Sekunden zu halten

Sinn der Sache ist, dass eure Fellnase schluckt, wodurch der Reflex unterbrochen wird.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Tritt das Rückwärtsniesen übermäßig häufig auf, treten weitere Symptome hinzu oder schlagen die Behandlungsmethoden nicht an, ist es notwendig einen Tierarzt aufzusuchen.

Wenige Hundebesitzer wissen über dieses Thema Bescheid. Solch Situationen machen Angst. Wir hoffen durch diesen Beitrag mehr Menschen und indirekt auch ihre Fellnasen beruhigen zu können.

Liebe Grüße

Elli & Lena

Mein Leben mit einem Double-Merle

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Passend zu meiner Beitragsreihe zum Thema Merle-Gen habe ich die liebe Diana gefragt, ob sie nicht Lust hat einen Beitrag über ihr Leben und ihre Einschränkungen mit einem Double-Merle-Hund zu schreiben. Finden könnt ihr ihr Profil auf Instagram unter @elsasmuteworld Ich freue mich sehr, dass du nun auch etwas von einer betroffenen Person lesen kannst. Wie Dianas Leben mit Elsa ist erzählt sie euch selber:

Bild von @cassandragraphie

Hallo ihr Lieben. Das auf dem Bild sind wir — Elsa und Diana. Elsa ist die mit dem weißen Fell. Na ihr wisst schon, benannt nach der Eiskönigin natürlich! Um diese besonderen weißen Fellnasen geht es heute in unserem Gastbeitrag auf dem Blog von der lieben Joana. Wir wurden gefragt, wie es ist, mit einem Doppel-Merle Hund zu leben und möchten unsere Erfahrungen nun mit euch teilen.

Fangen wir einmal von vorne an. Elsa ist auch Anfang 2020 in unser Leben gekommen, wie Morty zu Joana. Sie war dreieinhalb Monate alt, als wir sie bei ihrer Pflegefamilie abholten. Für sie war das bereits die dritte Familie, weshalb sie letztendlich über Fellengel in Not ein Zuhause für’s Leben suchte. Die Tierschutzorganisation übernahm die Vermittlung, da den vorherigen Menschen wohl aufgefallen ist, dass sie nicht mit ihr klarkommen würden. Denn Elsa ist taub. Und das ist eine der Auswirkungen einer Doppel-Merle-Verpaarung. Wir haben davor zwar vom Merle-Gen gehört aber nicht, dass ein Gendefekt entsteht, wenn man zwei Merle-Hunde miteinander paart. Dabei haben wir schon über zehn Jahre Hundeerfahrung! Krass, wie wenig verbreitet dieses Wissen ist — deshalb bin ich froh, dass es sich auch Joana zu ihrer Aufgabe gemacht hat, darüber aufzuklären.

Doch kommen wir zurück zu Elsas Geschichte. Wir haben uns sofort in sie verliebt und die Tatsache, dass sie taub ist, stört uns nicht. Unsere zehnjährige Hündin Nici kennt alle Kommandos auch verbunden mit Handzeichen, weshalb wir fest davon überzeugt waren, dass ein hohes Level an Grundgehorsam auch mit einem tauben Hund möglich ist. Und so kam es auch. In der Hundeschule werden wir regelmäßig als „die Streber“ bezeichnet. Alles, was mit Handzeichen und Körpersprache verbunden wird, führt sie zuverlässig und schnell aus — auch den Rückruf.

Bild von @cassandragraphie

Das einzige Problem bei einem tauben Hund ist, dass man ihn nicht aus Entfernung zu sich rufen kann, wenn er nicht herschaut. Das ist eine Herausforderung, der man sich stets bewusst sein muss. Das bedeutet vor allem vorausschauend zu handeln und total aufmerksam zu sein, wenn der Hund frei läuft. Aber ja, es geht auch mit tauben Hunden: Freilauf! Gott sei Dank ist Elsa ein Hütehund, denn die sind ja dafür bekannt, sich viel nach ihren Besitzern umzuschauen und in der Nähe zu bleiben, denn sie wollen unbedingt beschäftigt werden und die verschiedensten Befehle ausführen. Schaut ein Hund jedoch nicht so zuverlässig nach seinem Besitzer, kann hier ein Vibrationshalsband hilfreich sein. Die Vibration könnte beispielsweise bedeuten: „Schau sofort nach mir und danach, was ich dir mitteilen möchte“. Außerdem achten wir immer darauf, dass sie eine Hundemarke am Halsband trägt. Bei Tasso ist sie als tauber Hund registriert und auf einer zweiten Marke steht meine Telefonnummer.

Eine andere Herausforderung ist es, den Hund wach zu bekommen. Denn wer nichts hör, schläft tief und fest. Doch um sie nicht zu erschrecken, hat es sich bewährt sie leicht im Gesicht anzupusten bis sie die Augen aufmacht. Der tiefe Schlaf kann auch von Vorteil sein, so hört sie beispielsweise nicht, wenn es an der Tür klingelt, weshalb Nici beispielsweise immer bellt. Auch Silvester sollte für Elsa stressfreier ablaufen. Im Alltag hat das manchmal schon Vorteile. Aber natürlich auch ein paar Nachteile. Sie reagiert dadurch natürlich viel anfälliger auf Bewegungen. So hat sie ganz lange Zeit Schatten gejagt, aber da muss man aufpassen, damit es nicht zu einem eingeprägten Zwangsverhalten kommt. Aber das größte und einzige Problem, das wir noch haben, ist ihr Versuch Autos zu jagen. Das ist natürlich super gefährlich und wir können sie deshalb auch nicht frei laufen lassen, wenn in der Entfernung eine Straße zu sehen ist.

Doch ansonsten sind wir total happy und ich bin mir sicher, dass wir mit einem Hundetrainer auch dieses Problem in den Griff bekommen werden. Elsa ist abgesehen von ihrem Gendefekt ein typischer Bordercollie: Sehr aufgeweckt, will viel beschäftigt werden und braucht genügend Auslauf. Das Schönste ist, zu sehen, wie lebensfroh und verspielt sie ist, denn für sie existiert kein Problem. Sie ist es von klein auf gewohnt, in einer stillen Welt zu leben.

Liebe Grüße

Diana

Mein Leben mit Youma

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Dies ist ein Beitrag von der lieben Romana, die ihr auf Instagram unter @elbinsel_pfoten findet. Ich habe sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte einen ergänzenden Beitrag zu meinem Merle-Gen-Text zu schreiben, denn falsche Verpaarung hat nicht nur durch dieses Gen schwerwiegende Folgen! Auch ein zu hoher Weißanteil kann unschöne Konsequenzen haben. Wie diese aussehen und wie Romana damit umgeht erzählt sie euch selber:

Bild von @elbinsel_pfoten

Der Australian Shepherd mutiert gerade wieder zum Modehund. Besonders beliebt sind merlefarbene oder Hunde mit einer besonderen Zeichnung. Viele unseriöse Züchter verlangen für die beliebten Farben sogar mehr Geld. Was aber diese wunderschöne Zeichnung bewirkt, wissen nur wenige.

Das Merle-Gen ist ein Gendefekt, der für eine Aufhellung der Grundfarbe verantwortlich ist. In manchen Fällen kommt es vor, wenn Elterntiere Weißträger sind, dass ein Welpe, der nicht aus einer Doppelmerle Verpaarung stammt, mit einem zu hohem Weißanteil geboren wird, teilweise hat dieser zusätzlich blaue Augen. Elterntiere mit zu viel weiß sollten nicht in die Zucht gehen. Problem hierbei ist nicht das Merle-Gen, sondern die fehlende Pigmentierung. Bei zu viel weiß sind häufig die Ohren, Augen und Augenlider wenig bis gar nicht pigmentiert. Dies kann zu Taubheit und/ oder Blindheit führen. Weiß sollte am Kopf nicht dominieren, die Augen müssen vollständig mit Farbe und Pigment umgeben sein. Im Rassestandard ist die maximale Menge an weiß genau geregelt. Auch ein sonst gesund aussehender Welpe kann Einschränkungen durch eine schlecht gewählte Verpaarung davontragen. Wichtig ist also vor dem Verpaaren, die Genetik der Hunde zu kennen und sie komplett auswerten zu lassen. Vor allem der M- und S-Locus, spielen hier eine wichtige Rolle.

Bild von @elbinsel_pfoten

So auch bei unserer Youma. Ihre Mutter ist eine Red Tri Hündin und ihr Vater ein Blue Merle Rüde. Die Mutter ist Trägerin des Cryptic Merle Gens, was sich aber in der Verpaarung, wie non Merle verhält und normalerweise keine Einschränkungen mit sich bringt. Sie stammt aus einem Wurf mit 9 weiteren Geschwistern und ist die Einzige, die einen zu hohen Weißanteil hat. Obwohl Youma an Augen und Ohren gut pigmentiert ist, mussten wir später erfahren, dass sie von Geburt an taub ist.

Von der Taubheit bekamen wir im ersten Jahr nichts mit. Sie hatte ein Talent Menschen und Hunde zu lesen. Sie lernte unheimlich schnell und verknüpfte bestimmtes Verhalten mit Situationen teilweise innerhalb von Sekunden. Im Welpenalter merkte man ihr nichts an. Sie war teilweise sogar die erste am Futternapf. Sie schlief mehr als die anderen, war schon immer sehr Nähe bedürftig und hatte ihre Eigenarten. Zum Beispiel war ihr Lieblingsschlafplatz der Wohnzimmertisch. Bei uns angekommen, orientierte sie sich sehr stark an unserer souveränen Ersthündin Sky. Sie blieb Zuhause stets in meiner Nähe und suchte dauernd Körperkontakt. Sie konnte ihre Freude bei Besuch schon immer schwer im Zaum halten und das Anspringen haben wir bis heute nicht komplett abtrainiert bekommen. Sie war im Alltag immer dicht bei mir, im Freilauf entfernte sie sich nie weit, hatte also einen geringen Radius, was fleißig von mir bestätigt wurde. Wir trainierten sie von Anfang an komplett körpersprachlich und bestätigten die Orientierung zu uns und den Blickkontakt fleißig. Sie wuchs zu einem tollen Junghund heran.

Mit der Umstellung der Hormone wurde sie etwas wilder. Ruhe fiel ihr nun schwerer, Zuhause nahm ich sie oft an die Leine und setze mich gemeinsam mit ihr auf den Boden, damit sie mit mir gemeinsam zur Ruhe kam. Sie gab häufiger laute gurrende Geräusche von sich und bellte bei Frust in hohen Tönen. Im Spiel war sie oft zu wild, sie wusste nicht wann es genug ist und man musste häufig eingreifen, damit sie verstand wann es zu doll war. Draußen funktionierte selbst der Rückruf immer ohne Probleme. Wir nahmen sie in unterschiedliche Situationen mit und sie schaffte es überall einzuschlafen. Ob es ein Turnier voller Menschen war oder beim Essen im Restaurant.

Bild von @elbinsel_pfoten

Mit einem Jahr kam die Wende. 5 Tage nach ihrem ersten Geburtstag, Ende April 2019, hatte sie ihren ersten Krampfanfall. Mitten in der Nacht machte sie sich steif und kippte plötzlich zur Seite, ihr ganzer Körper fing an unkontrolliert zu zittern. Sie war nicht mehr ansprechbar und das Maul schäumte. Ich war völlig hilflos. Durch meine eigene Ausbildung als Kinderkrankenschwester waren mir Anfälle zum Glück nicht unbekannt, aber es bei seinem eigenen Hund zu sehen, war schrecklich. Ich wartete also ab. Nach 2 Minuten hörte sie von selbst auf zu krampfen. Sie war noch lange desorientiert und lief erstmal 1 Stunde unkontrolliert durch die Wohnung. Fiepte lange und schlief nach längerer Unruhe wieder ein. Die Tierklinik, bei der ich panisch anrief, sagte nur „ein Krampf ist ein Krampf, da können wir nichts machen.“ Die Angst, dass es nochmal passiert, blieb ab da unser ständiger Begleiter. Tatsächlich hatten wir erstmal Ruhe und dachten, es war eine einmalige Sache. 4 1/2 Monate später, Anfang September 2019, folgte dann der nächste Krampf. Auch dieser stagnierte zum Glück nach einigen Minuten von selbst. Dieses Mal machten wir direkt einen Termin bei einem Spezialisten aus. Im Oktober 2019 war es soweit. Nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen wurden, bekamen wir die Diagnose von unserem Neurologen. Youma litt an einer Epilepsie, unbekannter Ursache. Wir bekamen ein Antiepileptikum und schlichen es langsam ein.

Ein paar Tage nach dem Termin beim Neurologen ging es in den Urlaub nach Sankt Peter Ording. Was Erholung werden sollte, entpuppte sich zum Alptraum. Youma war innerhalb weniger Tage komplett wesensverändert. Die Autofahrt war sie nur am Schreien, ich musste sie in den Fußraum nehmen, damit sie irgendwie zur Ruhe kam. Sie hatte enormen Hunger, trank Massen und war nur noch am Jaulen und Hecheln. Sie hatte dauerhaft Stress. Am Strand angekommen fing sie das erste mal an, Sky zu attackieren. Ich versuchte sie davon abzuhalten, aber sie war in ihrem Film und nahm nichts mehr um sich herum wahr. Sie attackierte auch mich. Ich stand also heulend und schockiert am Strand. Und rief meinen Mann zur Hilfe. Ich wusste nicht was los war. Ich war völlig überfordert mir der Situation. Im Urlaub war es uns nicht mehr möglich Dinge zu unternehmen, Youma bellte plötzlich alles an. Rastete an der Leine komplett aus. Also gingen wir nur noch an Orte, die ruhig waren und an denen wenig los war. Sie reagierte auf jede Art von Reiz. Immer wenn sie überfordert war, fing sie an mich anzugreifen. Nie mit wirklicher Beißabsicht, aber mit dauerhaftem Abschnappen, was einige blaue Flecken hervorbrachte. Ich dachte immer nur, ok es sind die Nebenwirkungen der Tabletten. Reiß dich zusammen. Aber es wurde täglich schlimmer.

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Ich fing an sie genauer zu beobachten. Jede Art von zu viel Freiraum fiel ihr schwer, eine kürzere Leine und das Gewicht der Schleppleine halfen ihr minimal. Mir fiel auf, dass sie ihre Ohren nie bei Geräuschen bewegt, auf Geräusche nicht reagiert. Ich fing an zu lesen und reflektierte ihre Zeit, die sie bei uns war. Wir machten einige Tests, schlugen auf einen Topf, raschelten den Schlüssel direkt hinter ihr, riefen sie. Keine Reaktion. Da wurde mir klar, dass sie taub sein muss oder sehr schlecht hört. Im Nachhinein machten einige ihrer Verhaltensweisen Sinn. Dadurch, dass wir immer schon körpersprachlich mit ihr gearbeitet haben, fiel ihr Handicap nicht auf. Sie war immer sicher ab“ruf“bar. Reagierte auf alle Kommandos und nur durch die gegensätzliche Reaktion auf die Antiepileptika fiel es mir auf.

Ich telefonierte mit dem Neurologen und ihre Reaktionen machten plötzlich Sinn. Durch das Medikament war sie quasi dauerbenebelt. Sie sah verschwommen, als wäre sie betrunken, durch ihre Taubheit, die mir vorher nicht bekannt war, habe ich ihr also einen zweiten Sinn genommen. Sie war völlig überfordert und dadurch dauerhaft unter Stress und zeigte durch das Attackieren ihre Überforderung.

Die Medikamente waren laut Neurologen notwendig. Die Nebenwirkungen sollten maximal 8 Wochen andauern, also blieben wir stark und strukturierten unseren kompletten Alltag um. Nach dem Urlaub machten wir noch eine Audiometrie, um ganz sicher zu sein. Auch wenn ich mir das Ergebnis denken konnte, liefen mir bei der Bestätigung des Arztes, dass sie komplett taub ist, die Tränen. Meine Welt brach zusammen.

Zum Glück mussten wir im Training nicht allzu viel ändern. Man setzte die Körpersprache nur noch bewusster ein. Es folgten schwere Monate, die Nebenwirkungen der Medikamente ließen nicht nach ein paar Wochen nach. Es wurde alles noch schlimmer. Ich besorgte einen Maulkorb und trainierte den positiv, damit Sky und ich sicher vor ihren Attacken waren. Ich setze mich noch intensiver mit unserem Alltag auseinander. Bildete mich in Themen wie konditionierte Entspannung und Alltag entstressen weiter. Der Maulkorb gab ihr Sicherheit, wenn sie anfing auszurasten, erdete er sie irgendwie und sie fuhr damit schnell runter. Ihr half es außerdem sie ins Platz zu schicken und die Situation abzubrechen. Wir konnten wieder gemeinsam spazieren gehen. Sie blieb dauerhaft an der Schleppleine und auch das Gewicht der Leine machte sie ruhiger. Ohne Schleppleine lief sie unkontrolliert los, wenn sie die Schleppleine trug blieb sie ruhig und schnüffelte entspannt. Wir versuchten Reize zu minimieren, sorgten für einen geregelten Alltag. Es waren aber nur noch kurze Spaziergänge möglich, zu Zeiten, in denen wir keine anderen Leute trafen. Kleine Übungen zuhause oder auf unseren ruhigen Spaziergängen funktionierten ohne Probleme. Wenn wir zu lange draußen waren oder es zu viele Reize zu verarbeiten gab, kam sie zuhause nicht mehr zur Ruhe.

Wir fingen von vorne an und trainierten ihr eine Ruhedecke an. Die nahm sie gut an, auch wenn wir alles in Minischritten und ohne Ablenkung aufbauen mussten. Sie schaffte es zuhause nach einiger Zeit innerhalb von Sekunden auf ihrer Decke und ihrem Platz einzuschlafen. Es war mir aber nie möglich, diese Decke in eine reizvollere Umgebung einzubauen. Sobald ein Reiz dazu kam, sei es nur der Wechsel an einen anderen Ort, zeigte sie keinerlei Ruhezeichen mehr. Durch viel Training und Routinen ermöglichten wir ihr mehr Ruhe, aber alltagstauglich war sie auf keinen Fall mehr.

Wir mussten sie von allen Reizen abschotten und das war kein schönes Hundeleben mehr. Ich bat Ende Dezember 2019 meinen Neurologen um Rat. Schilderte ihm die Situation und machte deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Es gab laut ihm, drei Möglichkeiten:

1. Wir lassen sie einschläfern, wozu mir unzählige Menschen geraten haben, für mich war es aber keine Option.

2. Sie leidet an einem Hirntumor, der für die Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich ist und müsste dann auch eingeschläfert werden.

3. Wir schleichen das alte Medikament Luminal aus und schleichen ein neues stärkeres Medikament Kaliumbromid ein. Bei dem Medikament können die Hunde teilweise über Monate ihre Hinterbeine nicht kontrollieren und können kaum laufen. Ebenso schlägt es oft auf die Organe und bei vielen Hunden führt es nach wenigen Jahren zum Tod.

Für mich war die Verbindung zum Luminal aber irgendwie klar, die Veränderungen traten kurz nach dem Einschleichen des Medikaments auf. Durch ihre Taubheit reagierte sie wohl komplett gegensätzlich. Normalerweise macht das Medikament einen angepasster, ruhiger, langsamer, fährt den Kreislauf runter. Sie wurde aber reaktiver. Unruhiger. Also saß ich da und grübelte. Einschläfern kam für mich nicht in Frage, erstmal wollte ich versuchen ihr anders zu helfen. Ich wandte mich an weitere Ärzte und Menschen die sich mit der Epilepsie auskannten.

Ich stieß dabei auf die Schilddrüsenunterfunktion. Ich ließ im Dezember 2019 ein komplettes Schilddrüsenprofil machen und hatte noch die Schilddrüsenwerte aus der Diagnostik des Neurologen. Damals hieß es die Werte seien in Ordnung, klar vertraut man den Spezialisten. Das Profil zeigte eine deutliche Schilddrüsenunterfunktion, was die Werte vom Oktober 2019 schon gezeigt hätten, wenn der Arzt sich damit ausgekannt hätte. Was zuerst kam, war nicht mehr nachvollziehbar. Kamen die Krämpfe durch die SDU oder durch die Epilepsie? Nach dem Profil wandte ich mich an eine Verhaltenstherapeutin, die spezialisiert auf Schilddrüsenunterfunktion und Epilepsie ist.

Ich hatte mir schon vorgenommen das Luminal auszuschleichen und die Schilddrüse erstmal ordentlich einzustellen. Sie bestärkte mich in meinem Vorhaben und verschrieb mir die Hormone für Youma. Das MRT bezüglich des Hirntumors schob ich erstmal beiseite und verbannte es aus meinem Kopf. Sollte sie wieder stärker und häufiger krampfen oder ihre Wesensveränderung, trotz Absetzen der Antiepileptika, schlimmer werden, kann ich immer noch auf die anderen Optionen zurückgreifen.

Der Neurologe unterstütze mich in meinem Weg nicht. Laut ihm gibt es keine SDU und nur ein neues Antiepileptikum oder das MRT können Youma helfen. Ich ging den Weg also ohne die Unterstützung der Mehrheit.

Aber mein Bauch und mein Herz sagten mir, dass es die richtige Entscheidung sein könnte. Der Weg war schwer, aber nach ein paar Wochen war Youma ansprechbarer, die Ausraster blieben aus. Den Maulkorb brauchten wir nicht mehr. Im Freilauf konnte sie wieder entspannter mit Sky spielen. Wir fanden heraus, dass es ihr leichter fiel mit einem Medium, wie einem Tau, mit Sky zu agieren. Körperlich fiel es ihr immer noch schwer, sich zurückzuhalten. Bei starkem Stress half ihr das Platz oder kurze Fußeinheiten um runterzukommen. Eine Futtersuche konnte sie aus dem Stress zurückholen. Ihr half es etwas im Maul zu tragen und die Umweltreize dadurch besser auszublenden.

Nach dem kompletten Absetzen der Antiepileptika im März 2020, konnte man sie langsam in den normalen Alltag integrieren. Das Einstellen der Schilddrüse war zwar noch nicht abgeschlossen, aber es ging stetig bergauf. Wir haben Strukturen und Routinen für sie geschaffen. Die Spaziergänge in Oneway-Strecken umgewandelt. Ihr Inseln auf ihren Strecken geschaffen, damit sie immer genau weiß was kommt. Noch heute fällt es ihr schwer mit Reizen umzugehen. Sie ist unsicher bei Hunden und sucht eher den Kontakt zum Menschen. Sie hat drei von ihr ausgewählte Hunde, die sie zum Spielen auffordert. Auch da muss man immer dabei sein, damit sie nicht pusht. Durch die Taubheit hört sie leises Knurren oderjaulen, wenn es zu doll ist, nicht. Sie reagiert aber super auf mich und stoppt das Spiel, wenn ich es abbreche. Sie schafft es danach für ihre Verhältnisse gut runterzufahren. Legt sich mittlerweile im Alltag auch mal selbstständig ab. Zuhause ruht und schläft sie dauerhaft. Veränderungen fallen ihr schwer.

Ich vergleiche sie gerne mal mit einem hochsensiblen Kind, das autistische Züge zeigt. Sie lebt in ihrer Welt, kann in bestimmten Situationen die Umweltreize ausblenden und sich komplett auf mich fokussieren. Sie benötigt jemanden, der ihr die Richtung weist. Besuch kann man nur noch selten einladen, da sie ihre Freude nicht kontrollieren kann. Sie verfällt dann in einen Stresszustand, in dem sie unkontrollierte Bewegungen und jaulen zeigt. Sie ist weiterhin enorm reizoffen und kann nur dosiert damit umgehen. Sie gerät schnell in Stress. Mit Hilfe von viel Training und Strategien, kann man ihr aber schnell aus diesen Situationen helfen. Sie hat wieder Lebensqualität und ist einfach ein besonderer Hund.

Sie wird nicht mehr die alte und niemals ein Hund, der einfach auf einem vollen Platze oder im Restaurant einschläft. Aber wir haben sie nicht aufgegeben und entwickeln uns ständig weiter. Sie krampft immer noch in unregelmäßigen Abständen alle paar Monate, ist aber den Rest der Zeit ein fröhlicher, freundlicher Hund, der das Leben genießt. Wir genießen die gemeinsame Zeit, auch wenn wir nicht wissen, was noch kommt. Ich werde sie bis zum Ende begleiten und weiter auf mich und mein Gefühl hören.

Ich würde mir von einigen seriösen Züchtern mehr Verantwortungsbewusstsein und die Auseinandersetzung mit der richtigen Verpaarung wünschen. Es ist nicht einfach damit getan, zwei Hunde zusammen zu bringen. Ich möchte auch an die Halter appellieren, sich bewusst zu sein, was ein Hund aus einer falschen Verpaarung bedeuten kann. Sucht euch die Hunde nicht nach dem Aussehen aus, sondern lasst euch von dem Züchter beraten, Charakter ist wichtiger als Aussehen. Nicht immer sind die Einschränkungen direkt erkennbar. Wenn sie sich später rausstellen, wie bei uns, gebt nicht auf. Holt euch lieber verschiedene Meinungen ein und hört auf euer Gefühl. Bei Youma hat als Welpe alles gestimmt, ihr Charakter hat perfekt zu uns gepasst und die Einschränkungen sind erst viel später aufgetreten. Wir haben sie aber so genommen, wie sie ist. Und gemeinsam einen Weg gefunden.

Bild von @elbinsel_pfoten

Erste Hilfe für den Hund

Ich muss in letzter Zeit öfter daran denken, dass ich im Ernstfall eines Unfalls nicht wüsste, wie ich reagieren sollte. Natürlich versuche ich für Sicherheit meines Hundes und meiner Umwelt im Voraus zu sorgen, aber komplett ausschließen lässt sich ein Unfall, Verletzungen oder Verschlucken leider nie. Was ist wenn doch einmal etwas passiert? Bist du im Notfall der deinen Hund betrifft vorbereitet? Ich möchte dir heute einige Tipps geben, die deinem Hund vielleicht mal das Leben retten können.

Zuerst möchte ich jedoch betonen, dass ich mich „nur“ umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt und mich informiert habe. Ich möchte mit meinem Beitrag nur eine Hilfestellung zur Notfallsituation geben. Ich habe keine medizinische Ausbildung und dieser Text ersetzt keine professionelle Schulung. Deswegen möchte ich jedem ans Herz legen einen entsprechenden Erste-Hilfe-Kurs in seiner Umgebung mitzumachen.

Bleib ruhig!

Es ist eine furchtbare Situation für dich und deinen Vierbeiner, wenn es ihm nicht gut geht oder er sogar einen Unfall hatte. Du hilft keinem in dem du in einer solchen Situation durchdrehst. Die Situation ist für deinen Hund eh schon schlimm genug. Er hat eventuell Schmerzen und Angst. Deine Aufgabe ist das Beruhigen und Angst nehmen. Sprich ruhig mit deinem Hund, selbst wenn es so scheint, als ob er nicht bei Bewusstsein ist.

Leine deinen Hund an!

Das Anleinen verhindert, dass dein Hund vor Schreck wegläuft oder beißt. Du kannst nie genau wissen, wie dein Tier in dieser Situation reagiert und so kannst du verhindern, dass dein Hund für sich und andere eine Gefahr darstellt. Merkst du, dass dein Hund in dieser Situation zum Beißen neigt? Dann sollte auch ein Maulkorb benutzt werden. Falls du keinen dabei hast kannst du aus Verbandsmaterial, Schnürsenkel oder sonst etwas geeignetem ein Schnauzband binden, um das Beißen zu verhindern. Diese beiden Maßnahmen sind nicht notwendig, wenn dein Tier nicht bei Bewusstsein ist! In diesen Fällen verzichte auf beide Maßnahmen, um die Atmung deines Hundes nicht einzuschränken.

Ist dein Hund bei Bewusstsein, sollten sich fremde Personen nicht sofort zum Helfen annähern, wenn der Hund noch nicht entsprechend gesichert ist. Dein Hund hat wahrscheinlich einen Schock erlitten und ist unberechenbar. Selbst der liebste Hund könnte in dieser Situation beißen. Auch du solltest dich langsam nähern, falls dein Hund im Freilauf ist, damit er nicht vor dir wegrennt. Es kann sein, dass er dich im Schock nicht erkennt.

Wie kann ich ein Schnauzband binden?

Bilde mit einem Knoten eine Schlaufe, die du um den Fang des Hundes legst (mit dem Knoten oben) Führe die beiden Enden der Schlinge nochmal am Fang unten in einem Knoten zusammen. Beide Enden hinter den Ohren mit einer Schleife stramm zusammen binden. Das ganze muss so fest sitzen, dass der Hund natürlich nicht mehr Beißen kann oder sich die Schlinge abstreifen kann.

Informiere den Tierarzt!

Es ist immer gut für den Notfall schon einige Nummern parat und abgespeichert zu haben, damit du im Ernstfall nur kurz anrufen musst. In manchen Orten gibt es auch einen Tiernotruf. Melde dich vorher bei deinem Tierarzt an, damit dort bereits Vorbereitungen getroffen werden können.

Erste-Hilfe-Set

Ein solches Täschlein mit einer Grundausstattung für Wundversorgung sollte es in jedem Haushalt geben. Bei mehrtägigen Ausflügen hab ich es immer dabei. Doch was sollte dort drin sein?

  • sterile Wundauflagen
  • Mullbinden
  • etwas zum Fixieren des Verbands
  • Desinfektionsmittel
  • Tupfer für die Wundreinigung
  • Aktiv-Kohle
  • Elektrolyt-Tabletten
  • Silber Spray
  • Pinzette
  • Schere

Schritt 1: Stabile Seitenlage

Den Hund möglichst auf die unverwundete Seite legen, ansonsten vorzugsweise auf die rechte Seite, da diese die Ausgangslage für Beatmung und Herzdruckmassage ist. Der Kopf sollte niedriger als der Körper gelagert werden, daher sollte beispielsweise eine Jacke unter den Brustkorb gelegt werden. Es sollte zunächst geschaut werden, ob der Hund etwas im Maul hat, was die Atmung beeinträchtigen könnte. Wenn der Hund etwas im Maul hat sollte dies mit den Fingern entfernt werden. Die Zunge sollte weit aus dem Maul gezogen werden, damit der Hund daran nicht ersticken kann und Erbrochenes, Blut usw. ungehindert abfließen kann.

Schritt 2: Atmung kontrollieren

Zunächst muss du überprüfen, ob dein Tier am Atmen ist. Dies lässt sich am Heben und Senken des Brustkorbs erkennen oder an der Nase erfühlen. Halte einfach einen Spiegel oder dein Handy vor die Nase. Wenn die Fläche beschlägt ist eine Atmung vorhanden. Auch über die Schleimhäute im Maul lässt sich erkennen, ob das die genug Sauerstoff bekommt. Die Schleimhäute verfärben sich bei Unterversorgung blau oder lila, während sie im normalen Zustand rosa sind.

Normal sind bei kleinen Hunden 18-30 Atemzüge in der Minute. Bei großen Hunden liegt die Atemfrequenz bei 14-22 Atemzügen. In Stresssituationen ist eine schnellere Atmung normal.

Sonderfall: Verschlucken

Sollte dein Hund sich verschlucken, lass ihn zunächst versuchen den Fremdkörper über Husten und Würgen auszustoßen. Sollte dies nicht gelingen musst du sofort handeln und die Atemwege frei machen. Zunächst kannst du den Rachen nach dem Objekt untersuchen. Sichere am besten das Maul mit einem Stück Holz oder Ähnlichem, um Zubeißen zu verhindern.

Ist im Rachen nichts greifbares, dann schlage zunächst mit der flachen Hand zwischen die Schulterblättern. Hustet dein Hund schau, ob der den Fremdkörperausspuckt ansonsten nimm das Hinterteil deines Hundes hoch, indem du die Arme unter den Bauch nimmst und den Oberkörper vorsichtig nach unten schüttelst.

Sind die Atemwege immer noch blockiert und die Luftröhre komplett verstopft sollte der Heimlich-Griff angewendet werden, wie man im vom Menschen kennt. Bitte informiere dich zu der Anwendung beim Hund genauer. Dieser ist wirklich nur um Notfall und bei komplett verstopften Atemwegen anzuwenden!

Schritt 3: Puls

Den Puls kann man beim Hund am leichtesten an der Oberschenkelschlagader, an Vorderläufen oder am Herzen erfühlen. Die Oberschenkelschlagader befindet sich auf der Innenseite der Hinterläufe. Streiche mit deinem Mittel- und Zeigefinger leicht auf diese Stelle und suche nach der Ader. Diese fühlt sich wie ein kleines Kabel an. Hast du sie gefunden kannst du leicht drauf drücken und anfangen zu zählen. Zähle 15 Sekunden lang das Pulsieren, multipliziere es mit 4 und finde so die Schläge pro Minute heraus.

Normal sind bei Hunden ein Puls von 80 – 120 Schlägen pro Minute. Welpen können abweichen und haben einen schnelleren Puls.

Tipp: Übe dies doch einfach mal ohne Notfall, damit du im Ernstfall vorbereitet bist und weißt was du tun musst.

Sonderfall: Keine Atmung, kein Puls, kein Bewusstsein

Nur dann sollte Beatmung und Herzdruckmassage begonnen werden! Eine zweite Person ist in diesem Fall sehr hilfreich.

Bei Kombination beider Maßnahmen gilt die Faustregel bei kleinen Hunden: 5x Herzdruckmassage + 1x Beatmung. Bei großen Hunden 10x Herzdruckmassage + 1x Beatmung

Wie funktioniert die künstliche Beatmung?

Dieses Manöver sollte 20-30 in einer Minute widerholt werden. Zwischen den einzelnen Beatmungen sollten 3 Sekunden liegen.

  • den Hund auf seine rechte Seite legen und dich frontal vor ihm positionieren
  • kontrolliere, falls dies noch nicht geschehen, ob die Atemwege frei sind
  • Der Hals sollte überstreckt sein
  • mit beiden Händen das Maul verschließen und die Lefzen abdichten
  • mit dem Mund vorsichtig Luft in die Nasenlöcher des Hundes blasen
  • kontrolliere, ob sich der Brustkorb des Hundes hebt und senkt

Wie funktioniert die Herzdruckmassage?

  • zunächst musst du die Position des Herzensfeststellen. Winkel hierzu den linken Vorderlauf an. Das Herz liegt über der Ellenbogenspitze
  • je nach Größe des Hundes nur Finger, eine oder beide Hände auf die Stelle legen
  • über den Hund beugen und mit ausgestreckten Armen in kurzen Stößen drücken. Nach jedem Stoß den Brustkorb wieder komplett entlasten.
  • 1 Druck pro Sekunde

Schritt 4: Versorgung offener Wunden

Je nach tiefe der Verletzung reicht das einfache Verbinden mit einer Mullbinde, einem Taschentuch oder Stoffresten.

Tiefer gehende Verletzungen erkennt ihr anhand der Blutmenge. Tritt viel dunkles Blut aus der Wunde handelt es sich um eine Verletzung der Vene und bei hellem stoßweise austretendem Blut um eine Verletzung der Arterie. In diesen beiden Fällen sind Druckverbände anzufertigen, damit der Hund nicht zu viel Blut verliert. Zunächst sollte das Körperteil jedoch hoch gelagert werden, damit die Durchblutung reduziert wird.

Wie mache ich einen Druckverband?

Die erste Schicht ist aus einem saugfähigem Material. Lege Taschentücher, eine Mullbinde oder etwas geeignetes auf die Wunde. Dies muss mit einem Verband fest abgebunden werden. Es folgt eine zweite Schicht aus einer festen nicht.-saufähigen Polsterung z.B. eine Packung Taschentücher, die erneut fest abgebunden werden muss. Blutet der Verband sofort durch sollte ein zweiter Druckverband darüber gelegt werden. Lasse den ersten dran! Du kannst zusätzlich das Blutgefäß oberhalb der Wunde mit beiden Händen abdrücken, um die Blutung zustoppen.

Schritt 5: Versorgung von Brüchen

Einfache Brüche müssen am besten mit etwas hartem fixiert werden. Nimm einfach einen Stock, ein Lineal oder ähnliches. Polstere die Stelle um den Bruch gut ab und befestige mit einer Binde die Polsterung. Anschließend befestigst du die Schiene weit ober- und unterhalb des Bruchs und umwickelst sie.

Wenn es sich um einen offenen Bruch handelt darfst du den Bruch nicht mit einer Schiene fixieren!

Schritt 6: Transport zum Tierarzt

Ist das Tier erstmal versorgt sollte es unverzüglich zu einem Tierarzt gebracht werden. Dabei sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen. Kleine Hunde lassen sich am besten und sichersten in einer Transportbox transportieren. Ansonsten kann eine Decke als Trage dienen oder der Hund auf dem Arm genommen werden. Dabei sollte die verletzte Seite vom eigenen Körper abgewandt sein und gebrochene Gliedmaßen am besten hängend transportiert werden. Vorsicht ist geboten bei Verletzungen der Wirbelsäule, der muss möglichst unbewegt transportiert werden, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Ist der Hund bewusstlos sollte der Kopf weiterhin tiefer gelagert werden als der Körper., sodass keine Erstickungsgefahr besteht.

Das Merle-Gen

Ich bekomme regelmäßig viele Komplimente über Mortys wunderschöne Fellfarbe. Er sieht so schön, besonders und einzigartig aus. Natürlich freut mich das, aber ich finde es auch wichtig über die Ursachen und vor allem mögliche Risiken, die mit der Fellzeichnung zusammenhängen, aufzuklären!

Die Fellfarbe Merle wird durch eine Veränderung des Silver-Gens verursacht. Dieser Defekt hat die typische gescheckte Fellfärbung zur Folge. Die Genveränderung sorgt für eine Farbverdünnung der „normalen“ Farbe. Das heißt, dass Morty ohne dieses Gen ganz einfach braun wäre.

Diese Mutation gibt es nicht nur beim Australian Shepherd, sondern auch bei vielen weiteren Rassen z.B. Doggen, Collies, Border Collies, Pit Bulls, Chihuahuas u.v.m. und kann neben der Fellfarbe auch einen Einfluss auf die Augenfarbe haben.

Wie wird die Fellfarbe durch dieses Gen verändert?

Ich möchte hier nicht zu detailliert werden, da mein Beitrag für jeden einfach und verständlich sein soll. Kurz gesagt: Der Defekt des Silver-Gens beeinflusst das Vorkommen von Eumelanin, welches normalerweise für eine schwarze oder braune Fellfarbe und dunkle Augen sorgt. Der Gendefekt sorgt für eine Störung der Ausprägung des Eumelanins und als Resultat entsteht die gescheckte Färbung oder helle Augen. Phäomelanin kann durch den Gendefekt nicht verändert werden. Fell, dass durch dieses Stoff seine Farbe erhält bleibt rotbräunlich.

Wie wird dieses Gen vererbt?

Mit folgenden Abkürzungen werden das gesunde und das mutierte Gen beschrieben:

m = unverändertes Silver-Gen

M = verändertes Silver-Gen

Bei einem Wurf erben die Welpen geschlechtsunabhängig jeweils ein Gen von einem Elterntier. Folgende Kombinationen sind möglich:

  • Das Tier trägt den Gendefekt nicht in sich und hat keine veränderte Fellzeichnung (mm)
  • Das Tier trägt sowohl das veränderte als auch das normale Gen in sich. Dies nennt sich mischerbig/heterozygot. Seine Fellzeichnung ist Merle und es vererbt dies mit 50% Wahrscheinlichkeit (Mm)
  • Das Tier trägt ausschließlich das mutierte Gen in sich. Es ist somit reinerbig und vererbt diesen defekt mit 100% Wahrscheinlichkeit. Man bezeichnet diese Hunde als Double-Merle. (MM)

Und weil das nicht kompliziert genug ist kann dieser Gendefekt auch „unsichtbar“ bleiben. Das heißt, dass der Hund dieses Gen in sich tragen kann, obwohl man es ihm nicht ansieht oder er sieht wie ein heterozygoter Hund aus, obwohl er ein Double-Merle ist. Dies ist zwar selten, kann jedoch vorkommen!

Was bedeutet das für die Zucht?

Will man sichergehen, dass gesunde Welpen auf die Welt kommen, verpaart man nur zwei Hunde ohne diesen Gendefekt miteinander oder einen heterozygoten Merle mit einem Non-Merle.

Verpaart man zwei heterozygote miteinander ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Teil der Welpen reinerbig sind, das das Gen mit 50% Wahrscheinlichkeit von beiden Elterntieren weiter gegeben wird. Diese Art der Verpaarung ist in Deutschland verboten und ist Tierquälerei. Leider halten sich einige Vermehrer nicht an dieses Verbot.

Würde man einen Double-Merle mit einem Non-Merle verpaaren wären alle Welpen heterozygot und hätten eine veränderte Fellfarbe. Einige Züchter machen sich dies zunutze, da so viele „besonders hübsche“ Welpen zur Welt kommen. Leider muss dafür eines der Elterntiere sehr leiden, denn dieses hat mit den Folgen falscher Verpaarung zu kämpfen..

Der Züchter sollte von beiden Elterntieren eine Genuntersuchung vorlegen können, damit dieser Zuchtfehler ausgeschlossen werden kann.

Welche Folgen kann die falsche Verpaarung oder der Gendefekt haben?

Double-Merle Hunde können mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schwere Fehlbildungen des Innenohr haben und Schwerhörig oder sogar Taub sein. Es können Missbildungen am Auge auftreten, was Blindheit zur Folge haben kann, sowie Veränderungen des Skeletts und Herzen erscheinen.

Aber nicht nur Double-Merle Hunde können gesundheitliche Probleme haben. Auch bei mischerbigen Hunden besteht ein erhöhtes Risiko für gewisse Krankheiten. Einige heterozygote Hunde können Gleichgewichtsprobleme haben. Es besteht eine erhöhte Sterblichkeitsrate der jungen Hunde und ein Großteil der vermeintlich gesunden Hunde hat mit Hörproblemen zu kämpfen.

Was bedeutet dies für den Kauf der Hunde oder die Haltung?

Ein heterozygoter Hund kann meist ein ganz normales Hundeleben führen ohne gesundheitliche Probleme zu haben. Jedoch sollte sich jeder, der sich für einen Merle interessiert, informiert haben und ggf. auch mit den Konsequenzen umgehen können. Wer einen Merle-Hund hat sollte ihn immer noch artgerecht halten können, falls sich herausstellt, dass er gewisse Krankheiten, wie Taubheit, mit sich bringt.

Und vor allem sollte sich jeder bewusst sein, dass man diese Hunde nicht einfach auf gut Glück verpaaren kann. Bei den Rassen, bei denen dieses Gen vorkommt sollten immer entsprechende Gentest gemacht werden, um Qualzucht ausschließen zu können.

Tierquälerei?

§11b Absatz 1 des Tierschutzgesetzes

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […] soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse […] erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

  1. bei der Nachzucht […] erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten […]

Das Züchten von Double-Merle Welpen ist laut Tierschutzgesetzt verboten. Das Verpaaren von einem heterozygoten mit einem Non-Merle fällt jedoch nicht darunter.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft spricht sich jedoch komplett gegen die Züchtung mit Merle-Trägern aus