Und dann kam Peter…

Fast einen Monat lang war unser Pflegehund Peter aus Spanien bei uns zu Besuch. Wir haben ihm ermöglicht her zu kommen, das erste Mal Familienleben mitzuerleben, Grundsätzliches zu lernen und haben hoffentlich ein schönes Zuhause für ihn gefunden. Ich möchte euch erzählen wie meine persönliche Erfahrung mit der Pflegestelle waren. Wie bin ich überhaupt darauf gekommen Pflegestelle zu werden? Wie lief das ab? Wie war das so mit Peter&Morty? Wie war der Abschied?

Wie ich darauf gekommen bin…

Erstmal muss ich sagen, dass was Hunde betrifft ich schon immer die treibende Kraft war. Ich will Hunde und ich wollte auch Pflegestelle werden. Ich kann froh sein, dass ich einen Partner habe, der meine Wünsche mitmacht. Grundsätzlich ist das aber eher mein Ding 😀

Die Überlegung dazu ist tatsächlich schon länger da. Ich kann gar nicht genau sagen, wie ich das erste Mal darauf gekommen bin, dass ich Pflegestelle werden möchte. Fest steht es jedenfalls schon länger, dass ich das mal machen möchte und Hunden helfen will hier ein schönes Zuhause zu finden. Doch ganz lang waren die Umstände noch nicht passend. Erst hatten wir einen eigenen Welpen, der noch viel Lernen muss. Dann hatten wir einen pubertierenden Junghund, der unsere volle Aufmerksamkeit benötigte. Außerdem bot unsere Wohnung nicht ausreichend Platz für zwei Hunde. Doch nach und nach haben wir Hindernisse beseitigt. Morty wuchs heran und hat unserer Meinung nach einen relativ souveränen Erziehungsstatus, dann unser Umzug in eine tolle neue Wohnung und ergänzend der Beginn meiner Semesterferien. Wir wussten: Jetzt passt es!

Und dann?

Ich habe mich bei einer Bekannten gemeldet, von der ich wusste, dass sie selbst im Auslandstierschutz aktiv ist und mit der ich vor einiger Zeit bereits darüber gesprochen habe, dass ich es mal machen möchte. Ich wusste bereits wie es dort ungefähr abläuft. Sie hat mir auch relativ schnell einen Notfall geschickt. Aber bei diesem Hund waren wir uns nicht sicher, ob wir das schaffen. Dieser war nämlich größer, hatte Probleme mit Unsicherheit und wir konnten noch nicht so richtig einschätzen was auf uns zukommt und ob wir zwei große Hunde für den Anfang schaffen würden. Deswegen haben wir für diesen Hund erstmal abgesagt und wollten erstmal mit einem kleineren Hund. Ein kleiner Hund macht zwar nicht weniger Arbeit, aber er ist für mich natürlich händelbarer. Keine Stunde später wurde mir Peter vorgestellt und wir wussten, das passt.

Wie wir offiziell Pflegestelle wurden:

Die Bekannte leitete meine Daten an Peters Vermittlerin weiter, die sich bei mir meldete. Erstmal musste ich eine Selbstauskunft ausfüllen und hatte ein Telefonat. Anschließend wurde jemand für eine Vorkontrolle zu uns geschickt. Das ging alles sehr schnell und unkompliziert. Dann wurde noch geschaut, ob wir auf einer schwarzen Liste stehen, was wir natürlich nicht tun. Am Ende mussten wir nur noch den Pflegevertrag unterschreiben und zurück schicken. Ca. eine Woche später saß Peter in einem Transporter aus Spanien zu uns in den hohen Norden.

Welche Sorgen hatten wir?

Wenn ein zweiter Hund ins Haus kommt macht man sich einige Gedanken. Vor allem, da man nicht weiß was für ein Hund zu einem kommt denkt man über viele Situationen nach. Was ist, wenn der Hund große Defizite hat mit denen ich nicht umzugehen weiß? Was ist, wenn er große Angst hat, die ich ihm nicht nehmen kann? Und dann kommt ein fremder Hund in das Zuhause eines anderen… Was ist wenn sich die Hunde nicht verstehen? Was ist wenn Morty seine Erziehung vergisst und ich nicht mit zwei Hunden umgehen kann? Außerdem weiß ich noch ganz genau wie schnell Morty sich in mein Herz geschlichen hat… Was ist, wenn ich diesen Hund nicht mehr gehen lassen kann?

Bedenken gehören dazu und sind auch wichtig. Was mir persönlich sehr geholfen hat ist der Austausch mit anderen Pflegestellen. Man ist nicht alleine mit diesen Sorgen und darüber zu sprechen und zu wissen, dass mir Leute den Rücken stärken tat gut.

Man ist zum Glück nie allein. Wenn man mit einem Problem alleine nicht weiter kommt gibt es immer tolle Trainer, die einem helfen können. Außerdem steht hinter einer Pflegestelle, der Verein voller erfahrener Menschen, die bereits eine Menge Erfahrung mit Hunden aus dem Ausland hat.

Tag der Ankunft

Ca. 2 Wochen nach dem ersten Kontakt konnte Peter einreisen. Die Hunde wurden an einem Freitag Vormittag in einen Transporter geladen und machten sich dann auf ihre lange Fahrt. Wir hatten eine WhatsApp-Gruppe in der wir über den Transporter informiert wurden. Ist er pünktlich? Hat er Verspätung? Zum Glück sind die Hunde trotz Unwetter und Straßensperrungen gut durchgekommen und pünktlich Samstagabend in der Nähe von Hamburg angekommen.

Ein Hund nach dem anderen wurde aus dem Transporter geholt und an seine neuen Menschen oder Pflegestellen übergeben. Da ich mit einer Mitarbeiterin des Vereins Morty und Peter zusammen führen wollte kamen wir als letztes dran. Wir haben den Hunden beim Aussteigen zugeschaut, die so süß waren! Ich hätte einen nach dem anderen mitnehmen können! Und dann kam Peter.

Ihm wurde fix das von mir mitgebrachte Sicherheitsgeschirr angezogen und die Hunde konnten sich kurz beschnüffeln. Eigentlich hatte ich das alles ganz anders geplant, aber es kommt ja gerne mal anders als man denkt. Eigentlich wollte ich mit Hilfe meines Freundes oder einer Freundin die Zusammenführung ganz in Ruhe zuhause machen… doch manchmal klappen Pläne halt nicht. Ich war froh, dass die Hunde sich nicht gleich von Anfang an total blöd fanden.

Dann sind wir nach Hause gefahren und Peter durfte sich einmal in Ruhe umschauen. Wo kann er liegen? Wo findet er Wasser und Futter?

Wie haben sich die beiden Hunde verstanden?

Ich bin richtig stolz auf Morty. Er hat die ihm neue Situation so toll gehändelt und ist so gut mit Peter umgegangen. Morty ist ein wirklich lieber Kerl und hatte gar kein Problem mit dem fremden Hund, der in seiner Wohnung herum läuft und seine Couch angepinkelt hat. Er hat auch nicht versucht drüber zu markieren. Er fand Peter auf Anhieb toll und hat die Nähe zu ihm gesucht. Das mochte Peter am Anfang noch nicht. Wenn Morty ihm zu Nahe kam wurde dieser direkt weg gebellt. Morty hat diese Grenze sehr gut respektiert und Peter in Ruhe gelassen.

Nach und nach ist aber auch Peter Morty gegenüber aufgetaut. Es gab erste Spiele, Morty konnte sich in seiner Nähe aufhalten und irgendwann haben sie sogar gekuschelt. Morty gab Peter auch Sicherheit. Vor allem wenn ihm was nicht ganz geheuer vorkam hat er geschaut wie Morty sich verhält.

Was konnte Peter?

Grundsätzlich konnte er nichts. Woher auch? Er kommt von der Straße und dort lernt man kein Sitz und Platz. Er hat mich ein wenig an einen übergroßen Welpen erinnert. Sehr hibbelig und mit viel Lernbedarf. Wir haben also fleißig an der Stubenreinheit gearbeitet, haben Sitz und Platz geübt, begonnen einen Rückruf zu festigen und eine Bindung aufgebaut.

Aber Peter ist definitiv kein Nichtskönner. Er hat schnell verstanden was man von ihm möchte. Und was hündische Kommunikation betraf hat er Morty hoffentlich einigs beigebracht.

Dafür, dass man beim Tierschutz nicht weiß was man für einen Hund bekommt hatten wir echtes Glück. Wir hatten einen aufgeschlossenen, mutigen Hund bekommen, der keine großen Baustellen oder Ängste hatte. Die wirklich einzige „Macke“, die Peter hat sind Hundebegegnungen, in denen er aufgrund von Unsicherheit bellt. Aber das ist bei ihm ein Problem, welches man denke ich gut und schnell in den Griff bekommt.

Pflegestellenversager?

Ihr könnt euch nicht vorstellen wie oft wir gefragt wurden, ob wir Peter nicht behalten möchten. Vor allem nach süßen Kuschelsequenzen ist mein Postfach geplatzt. Die Überlegung ist auch naheliegend, denn es gibt einige, die den Hund nach der Zeit nicht mehr her geben konnten. Doch uns war von Anfang an bewusst, dass es noch nicht unser Zeitpunkt für einen festen zweiten Hund gekommen ist. Das ganze wurde durch Peter nur bestätigt. Noch sind wir dafür einfach nicht bereit.

Wie lief die Vermittlung ab?

Eigentlich kümmert sich der Verein um die Vermittlung. Die Hunde werden inseriert, potenzielle Familien können den Hund besuchen. Dadurch, dass ich auf Instagram sehr aktiv bin sind auch Menschen von dort auf uns zu gekommen. Wo Peter jetzt ist, wie er dort hingekommen ist und ob er dort bleiben darf werden wir noch sehen. Ich finde es ist aber auch nicht meine Entscheidung Details dazu heraus zu geben. Vielleicht bekommt ihr dazu noch Informationen, vielleicht aber auch nicht 🙂

In Hamburg sagt man Tschüss…

So hieß es für uns gestern Abend, denn Peter ist vorerst ausgezogen. Einerseits spüre ich Erleichterung, denn er ist dort sehr gut aufgehoben und ich habe wieder mehr Zeit für mich und Morty. Zwei Hunde ist auch nochmal ganz anders als ein Hund und manchmal auch sehr anstrengend. Doch ich habe ihn mit gemischten Gefühl weg gegeben. Natürlich ist er mir in dieser Zeit auch ziemlich ans Herz gewachsen und ich bin ein bisschen traurig, dass wer weg ist. Und ja… das ein oder andere Tränchen ist auch geflossen.

Würdest du es wieder machen?

JA! Denn es war eine tolle Erfahrung, die mir und Morty auch eine Menge gebracht hat. Außerdem kann ich so Hunden ganz einfach helfen und meine Semesterferien sinnvoll nutzen. Wann der nächste Pflegehund einzieht kann ich allerdings nicht sagen. Auf jeden Fall wollen wir jetzt erstmal wieder unsere Dreisamkeit genießen, bevor der nächste Hund kommt. Und noch ist Peter ja auch nicht fest vermittelt, sondern nur zur Probe ausgezogen. Ich bin zwar optimistisch, dass er das rockt, aber wenn es nicht passt findet er bei uns immer ein warmes Körbchen.

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