Erste Hilfe für den Hund

Ich muss in letzter Zeit öfter daran denken, dass ich im Ernstfall eines Unfalls nicht wüsste, wie ich reagieren sollte. Natürlich versuche ich für Sicherheit meines Hundes und meiner Umwelt im Voraus zu sorgen, aber komplett ausschließen lässt sich ein Unfall, Verletzungen oder Verschlucken leider nie. Was ist wenn doch einmal etwas passiert? Bist du im Notfall der deinen Hund betrifft vorbereitet? Ich möchte dir heute einige Tipps geben, die deinem Hund vielleicht mal das Leben retten können.

Zuerst möchte ich jedoch betonen, dass ich mich „nur“ umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt und mich informiert habe. Ich möchte mit meinem Beitrag nur eine Hilfestellung zur Notfallsituation geben. Ich habe keine medizinische Ausbildung und dieser Text ersetzt keine professionelle Schulung. Deswegen möchte ich jedem ans Herz legen einen entsprechenden Erste-Hilfe-Kurs in seiner Umgebung mitzumachen.

Bleib ruhig!

Es ist eine furchtbare Situation für dich und deinen Vierbeiner, wenn es ihm nicht gut geht oder er sogar einen Unfall hatte. Du hilft keinem in dem du in einer solchen Situation durchdrehst. Die Situation ist für deinen Hund eh schon schlimm genug. Er hat eventuell Schmerzen und Angst. Deine Aufgabe ist das Beruhigen und Angst nehmen. Sprich ruhig mit deinem Hund, selbst wenn es so scheint, als ob er nicht bei Bewusstsein ist.

Leine deinen Hund an!

Das Anleinen verhindert, dass dein Hund vor Schreck wegläuft oder beißt. Du kannst nie genau wissen, wie dein Tier in dieser Situation reagiert und so kannst du verhindern, dass dein Hund für sich und andere eine Gefahr darstellt. Merkst du, dass dein Hund in dieser Situation zum Beißen neigt? Dann sollte auch ein Maulkorb benutzt werden. Falls du keinen dabei hast kannst du aus Verbandsmaterial, Schnürsenkel oder sonst etwas geeignetem ein Schnauzband binden, um das Beißen zu verhindern. Diese beiden Maßnahmen sind nicht notwendig, wenn dein Tier nicht bei Bewusstsein ist! In diesen Fällen verzichte auf beide Maßnahmen, um die Atmung deines Hundes nicht einzuschränken.

Ist dein Hund bei Bewusstsein, sollten sich fremde Personen nicht sofort zum Helfen annähern, wenn der Hund noch nicht entsprechend gesichert ist. Dein Hund hat wahrscheinlich einen Schock erlitten und ist unberechenbar. Selbst der liebste Hund könnte in dieser Situation beißen. Auch du solltest dich langsam nähern, falls dein Hund im Freilauf ist, damit er nicht vor dir wegrennt. Es kann sein, dass er dich im Schock nicht erkennt.

Wie kann ich ein Schnauzband binden?

Bilde mit einem Knoten eine Schlaufe, die du um den Fang des Hundes legst (mit dem Knoten oben) Führe die beiden Enden der Schlinge nochmal am Fang unten in einem Knoten zusammen. Beide Enden hinter den Ohren mit einer Schleife stramm zusammen binden. Das ganze muss so fest sitzen, dass der Hund natürlich nicht mehr Beißen kann oder sich die Schlinge abstreifen kann.

Informiere den Tierarzt!

Es ist immer gut für den Notfall schon einige Nummern parat und abgespeichert zu haben, damit du im Ernstfall nur kurz anrufen musst. In manchen Orten gibt es auch einen Tiernotruf. Melde dich vorher bei deinem Tierarzt an, damit dort bereits Vorbereitungen getroffen werden können.

Erste-Hilfe-Set

Ein solches Täschlein mit einer Grundausstattung für Wundversorgung sollte es in jedem Haushalt geben. Bei mehrtägigen Ausflügen hab ich es immer dabei. Doch was sollte dort drin sein?

  • sterile Wundauflagen
  • Mullbinden
  • etwas zum Fixieren des Verbands
  • Desinfektionsmittel
  • Tupfer für die Wundreinigung
  • Aktiv-Kohle
  • Elektrolyt-Tabletten
  • Silber Spray
  • Pinzette
  • Schere

Schritt 1: Stabile Seitenlage

Den Hund möglichst auf die unverwundete Seite legen, ansonsten vorzugsweise auf die rechte Seite, da diese die Ausgangslage für Beatmung und Herzdruckmassage ist. Der Kopf sollte niedriger als der Körper gelagert werden, daher sollte beispielsweise eine Jacke unter den Brustkorb gelegt werden. Es sollte zunächst geschaut werden, ob der Hund etwas im Maul hat, was die Atmung beeinträchtigen könnte. Wenn der Hund etwas im Maul hat sollte dies mit den Fingern entfernt werden. Die Zunge sollte weit aus dem Maul gezogen werden, damit der Hund daran nicht ersticken kann und Erbrochenes, Blut usw. ungehindert abfließen kann.

Schritt 2: Atmung kontrollieren

Zunächst muss du überprüfen, ob dein Tier am Atmen ist. Dies lässt sich am Heben und Senken des Brustkorbs erkennen oder an der Nase erfühlen. Halte einfach einen Spiegel oder dein Handy vor die Nase. Wenn die Fläche beschlägt ist eine Atmung vorhanden. Auch über die Schleimhäute im Maul lässt sich erkennen, ob das die genug Sauerstoff bekommt. Die Schleimhäute verfärben sich bei Unterversorgung blau oder lila, während sie im normalen Zustand rosa sind.

Normal sind bei kleinen Hunden 18-30 Atemzüge in der Minute. Bei großen Hunden liegt die Atemfrequenz bei 14-22 Atemzügen. In Stresssituationen ist eine schnellere Atmung normal.

Sonderfall: Verschlucken

Sollte dein Hund sich verschlucken, lass ihn zunächst versuchen den Fremdkörper über Husten und Würgen auszustoßen. Sollte dies nicht gelingen musst du sofort handeln und die Atemwege frei machen. Zunächst kannst du den Rachen nach dem Objekt untersuchen. Sichere am besten das Maul mit einem Stück Holz oder Ähnlichem, um Zubeißen zu verhindern.

Ist im Rachen nichts greifbares, dann schlage zunächst mit der flachen Hand zwischen die Schulterblättern. Hustet dein Hund schau, ob der den Fremdkörperausspuckt ansonsten nimm das Hinterteil deines Hundes hoch, indem du die Arme unter den Bauch nimmst und den Oberkörper vorsichtig nach unten schüttelst.

Sind die Atemwege immer noch blockiert und die Luftröhre komplett verstopft sollte der Heimlich-Griff angewendet werden, wie man im vom Menschen kennt. Bitte informiere dich zu der Anwendung beim Hund genauer. Dieser ist wirklich nur um Notfall und bei komplett verstopften Atemwegen anzuwenden!

Schritt 3: Puls

Den Puls kann man beim Hund am leichtesten an der Oberschenkelschlagader, an Vorderläufen oder am Herzen erfühlen. Die Oberschenkelschlagader befindet sich auf der Innenseite der Hinterläufe. Streiche mit deinem Mittel- und Zeigefinger leicht auf diese Stelle und suche nach der Ader. Diese fühlt sich wie ein kleines Kabel an. Hast du sie gefunden kannst du leicht drauf drücken und anfangen zu zählen. Zähle 15 Sekunden lang das Pulsieren, multipliziere es mit 4 und finde so die Schläge pro Minute heraus.

Normal sind bei Hunden ein Puls von 80 – 120 Schlägen pro Minute. Welpen können abweichen und haben einen schnelleren Puls.

Tipp: Übe dies doch einfach mal ohne Notfall, damit du im Ernstfall vorbereitet bist und weißt was du tun musst.

Sonderfall: Keine Atmung, kein Puls, kein Bewusstsein

Nur dann sollte Beatmung und Herzdruckmassage begonnen werden! Eine zweite Person ist in diesem Fall sehr hilfreich.

Bei Kombination beider Maßnahmen gilt die Faustregel bei kleinen Hunden: 5x Herzdruckmassage + 1x Beatmung. Bei großen Hunden 10x Herzdruckmassage + 1x Beatmung

Wie funktioniert die künstliche Beatmung?

Dieses Manöver sollte 20-30 in einer Minute widerholt werden. Zwischen den einzelnen Beatmungen sollten 3 Sekunden liegen.

  • den Hund auf seine rechte Seite legen und dich frontal vor ihm positionieren
  • kontrolliere, falls dies noch nicht geschehen, ob die Atemwege frei sind
  • Der Hals sollte überstreckt sein
  • mit beiden Händen das Maul verschließen und die Lefzen abdichten
  • mit dem Mund vorsichtig Luft in die Nasenlöcher des Hundes blasen
  • kontrolliere, ob sich der Brustkorb des Hundes hebt und senkt

Wie funktioniert die Herzdruckmassage?

  • zunächst musst du die Position des Herzensfeststellen. Winkel hierzu den linken Vorderlauf an. Das Herz liegt über der Ellenbogenspitze
  • je nach Größe des Hundes nur Finger, eine oder beide Hände auf die Stelle legen
  • über den Hund beugen und mit ausgestreckten Armen in kurzen Stößen drücken. Nach jedem Stoß den Brustkorb wieder komplett entlasten.
  • 1 Druck pro Sekunde

Schritt 4: Versorgung offener Wunden

Je nach tiefe der Verletzung reicht das einfache Verbinden mit einer Mullbinde, einem Taschentuch oder Stoffresten.

Tiefer gehende Verletzungen erkennt ihr anhand der Blutmenge. Tritt viel dunkles Blut aus der Wunde handelt es sich um eine Verletzung der Vene und bei hellem stoßweise austretendem Blut um eine Verletzung der Arterie. In diesen beiden Fällen sind Druckverbände anzufertigen, damit der Hund nicht zu viel Blut verliert. Zunächst sollte das Körperteil jedoch hoch gelagert werden, damit die Durchblutung reduziert wird.

Wie mache ich einen Druckverband?

Die erste Schicht ist aus einem saugfähigem Material. Lege Taschentücher, eine Mullbinde oder etwas geeignetes auf die Wunde. Dies muss mit einem Verband fest abgebunden werden. Es folgt eine zweite Schicht aus einer festen nicht.-saufähigen Polsterung z.B. eine Packung Taschentücher, die erneut fest abgebunden werden muss. Blutet der Verband sofort durch sollte ein zweiter Druckverband darüber gelegt werden. Lasse den ersten dran! Du kannst zusätzlich das Blutgefäß oberhalb der Wunde mit beiden Händen abdrücken, um die Blutung zustoppen.

Schritt 5: Versorgung von Brüchen

Einfache Brüche müssen am besten mit etwas hartem fixiert werden. Nimm einfach einen Stock, ein Lineal oder ähnliches. Polstere die Stelle um den Bruch gut ab und befestige mit einer Binde die Polsterung. Anschließend befestigst du die Schiene weit ober- und unterhalb des Bruchs und umwickelst sie.

Wenn es sich um einen offenen Bruch handelt darfst du den Bruch nicht mit einer Schiene fixieren!

Schritt 6: Transport zum Tierarzt

Ist das Tier erstmal versorgt sollte es unverzüglich zu einem Tierarzt gebracht werden. Dabei sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen. Kleine Hunde lassen sich am besten und sichersten in einer Transportbox transportieren. Ansonsten kann eine Decke als Trage dienen oder der Hund auf dem Arm genommen werden. Dabei sollte die verletzte Seite vom eigenen Körper abgewandt sein und gebrochene Gliedmaßen am besten hängend transportiert werden. Vorsicht ist geboten bei Verletzungen der Wirbelsäule, der muss möglichst unbewegt transportiert werden, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Ist der Hund bewusstlos sollte der Kopf weiterhin tiefer gelagert werden als der Körper., sodass keine Erstickungsgefahr besteht.

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