Das Merle-Gen

Ich bekomme regelmäßig viele Komplimente über Mortys wunderschöne Fellfarbe. Er sieht so schön, besonders und einzigartig aus. Natürlich freut mich das, aber ich finde es auch wichtig über die Ursachen und vor allem mögliche Risiken, die mit der Fellzeichnung zusammenhängen, aufzuklären!

Die Fellfarbe Merle wird durch eine Veränderung des Silver-Gens verursacht. Dieser Defekt hat die typische gescheckte Fellfärbung zur Folge. Die Genveränderung sorgt für eine Farbverdünnung der „normalen“ Farbe. Das heißt, dass Morty ohne dieses Gen ganz einfach braun wäre. Bei den Aussies gibt es die Grundfarben Braun & Schwarz.

Diese Mutation gibt es nicht nur beim Australian Shepherd, sondern auch bei vielen weiteren Rassen z.B. Doggen, Collies, Border Collies, Pit Bulls, Chihuahuas u.v.m. und kann neben der Fellfarbe auch einen Einfluss auf die Augenfarbe haben.

Wie wird die Fellfarbe durch dieses Gen verändert?

Ich möchte hier nicht zu detailliert werden, da mein Beitrag für jeden einfach und verständlich sein soll. Kurz gesagt: Der Defekt des Silver-Gens beeinflusst das Vorkommen von Eumelanin, welches normalerweise für die schwarze oder braune Fellfarbe und dunkle Augen sorgt. Der Gendefekt sorgt für eine Störung der Ausprägung des Eumelanins und als Resultat entsteht die gescheckte Färbung oder helle Augen. Phäomelanin kann durch den Gendefekt nicht verändert werden. Fell, dass durch dieses Stoff seine Farbe erhält bleibt rotbräunlich.

Wie wird dieses Gen vererbt?

Mit folgenden Abkürzungen werden das gesunde und das mutierte Gen beschrieben:

m = unverändertes Silver-Gen

M = verändertes Silver-Gen

Bei einem Wurf erben die Welpen geschlechtsunabhängig jeweils ein Gen von einem Elterntier. Folgende Kombinationen sind möglich:

  • Das Tier trägt den Gendefekt nicht in sich und hat keine veränderte Fellzeichnung (mm)
  • Das Tier trägt sowohl das veränderte als auch das normale Gen in sich. Dies nennt sich mischerbig/heterozygot. Seine Fellzeichnung ist Merle und es vererbt dies mit 50% Wahrscheinlichkeit (Mm)
  • Das Tier trägt ausschließlich das mutierte Gen in sich. Es ist somit reinerbig und vererbt diesen defekt mit 100% Wahrscheinlichkeit. Man bezeichnet diese Hunde als Double-Merle. (MM)

Und weil das nicht kompliziert genug ist kann dieser Gendefekt auch „unsichtbar“ bleiben. Das heißt, dass der Hund dieses Gen in sich tragen kann, obwohl man es ihm nicht ansieht oder er sieht wie ein heterozygoter Hund aus, obwohl er ein Double-Merle ist. Dies ist zwar selten, kann jedoch vorkommen!

Was bedeutet das für die Zucht?

Will man sichergehen, dass gesunde Welpen auf die Welt kommen, verpaart man nur zwei Hunde ohne diesen Gendefekt miteinander oder einen heterozygoten Merle mit einem Non-Merle.

Verpaart man zwei heterozygote miteinander ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Teil der Welpen reinerbig sind, da das Gen mit 50% Wahrscheinlichkeit von beiden Elterntieren weiter gegeben wird. Diese Art der Verpaarung ist in Deutschland verboten und ist Tierquälerei. Leider halten sich einige Vermehrer nicht an dieses Verbot.

Würde man einen Double-Merle mit einem Non-Merle verpaaren wären alle Welpen heterozygot und hätten eine veränderte Fellfarbe. Einige Züchter machen sich dies zunutze, da so viele „besonders hübsche“ Welpen zur Welt kommen. Leider muss dafür eines der Elterntiere sehr leiden, denn dieses hat mit den Folgen falscher Verpaarung zu kämpfen..

Der Züchter sollte von beiden Elterntieren eine Genuntersuchung vorlegen können, damit dieser Zuchtfehler ausgeschlossen werden kann.

Welche Folgen kann die falsche Verpaarung oder der Gendefekt haben?

Double-Merle Hunde können mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schwere Fehlbildungen des Innenohr haben und Schwerhörig oder sogar Taub sein. Es können Missbildungen am Auge auftreten, was Blindheit zur Folge haben kann, sowie Veränderungen des Skeletts und Herzen erscheinen. Diese Tiere sterben oftmals sehr früh.

Inwiefern solche Defekte bei heterozygoten Merlehunden zu finden sind ist einfach nicht ausreichend untersucht. Es gibt wenige Studien hierzu, die leider jedoch nicht besonders aussagekräftig sind. Es gibt die Vermutung eines Restrisikos für beispielsweise Taubheit bei heterozygoten Hunden, diese ist jedoch nicht höher als beispielsweise beim Dalmatiner.

Was bedeutet dies für den Kauf der Hunde oder die Haltung?

Ein heterozygoter Hund kann meist ein ganz normales Hundeleben führen ohne gesundheitliche Probleme zu haben. Jedoch sollte sich jeder, der sich für einen Merle interessiert, informiert haben und ggf. auch mit den Konsequenzen umgehen können. Wer einen Merle-Hund hat sollte ihn immer noch artgerecht halten können, falls sich herausstellt, dass er gewisse Krankheiten, wie Taubheit, mit sich bringt.

Und vor allem sollte sich jeder bewusst sein, dass man diese Hunde nicht einfach auf gut Glück verpaaren kann. Bei den Rassen, bei denen dieses Gen vorkommt sollten immer entsprechende Gentest gemacht werden, um Qualzucht ausschließen zu können.

Tierquälerei?

§11b Absatz 1 des Tierschutzgesetzes

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […] soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse […] erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

  1. bei der Nachzucht […] erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten […]

Das Züchten von Double-Merle Welpen ist laut Tierschutzgesetzt verboten. Das Verpaaren von einem heterozygoten mit einem Non-Merle fällt jedoch nicht darunter.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft spricht sich jedoch komplett gegen die Züchtung mit Merle-Trägern aus

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